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Junge sein heute

Jungen wachsen heute in eine Gesellschaft hinein, in der sich traditionelle Geschlechterrollen zunehmend in Auflösung befinden. Neuorientierung ist gefragt und schafft vielerorts Verunsicherung. Familiäre Bindungen gestalten sich zusehends unübersichtlicher, ja unverbindlicher. Mobilität und Medien durchdringen unser Leben und lösen die einst klaren Grenzen zwischen Arbeit und Privat, zwischen Entspannung und Anspannung mehr und mehr auf. Zeit und Aufmerksamkeit für die Familie erscheint knapp und schafft bei Kindern und Eltern zunehmend Unzufriedenheit. Jungen leiden außerdem vielfach unter der häufigen Abwesenheit oder dem Nichtvorhandensein ihrer Väter. Mütter geraten in überlastende Situationen.

Ein defizitorientierte Blick der Pädagogik auf Jungen in Schule und Erziehung bringen zusätzliche Problematiken in Gang. Jungen bleiben vermehrt hinter ihrer Entwicklung zurück. Ihren spezifischen Lerneigenarten wird in vielen Institutionen kaum Rechnung getragen. Ihre Potentiale werden verkannt oder sogar negativ gewertet. So entsteht eine Dynamik die Eltern und Erziehende in verschiedensten Bereichen der Erziehung von Jungen vor große Herausforderungen stellt.

Wohin also mit ihrer wachsenden Kraft und ihrem Bewegungsdrang, ihrer erwachenden individuellen Körperlichkeit und Sexualität? Was tun mit ihrer vermeintlichen Unlust zu reden, zu diskutieren, sich in sozialen Gruppen zu recht zu finden, Gefühle zu zeigen? Wie umgehen mit ihrer angeblichen Aversion gegen Bücher und ihrer angeblichen Sucht nach Kriegsspiel und Computer. Wie reagieren auf ihre Suche nach Vorbildern und Modellen?

Wie wir Jungen sehen


- Jungen kommunizieren häufig anders als Mädchen.
- Sie sind direkter und weniger auf Konsens und Harmonie ausgerichtet. Dies wird von ihrer Umwelt oft negativ gewertet. Hinter Provokation und Witzelei steckt jedoch oft der Wunsch Haltungen, Absichten und Werte des Anderen zu ermitteln.
- Jungen haben einen hohen Bewegungsdrang. Sie möchten ihre Kraft und Geschicklichkeit in Aktion erleben und spüren.
- Jungen lernen deshalb auch besser wenn sie in Bewegung sind und handeln dürfen.
- Jungen verlangen nach mehr Strukturierung in Gruppen.
- Für Jungen spielen Hierarchien eine wichtige Rolle. Gruppen ohne Hierarchie verunsichern sie und rufen Machtkämpfe hervor.
- Jungen brauchen das Verständnis ihrer Mütter für ihr „Junge sein“.
- Jungen brauchen die Anerkennung ihrer individuellen, erwachenden Männlichkeit. Dabei benötigen sie die Unterstützung von Vätern, Onkeln, Großvätern, Lehrern, Erziehern und Mentoren.